Jiu-Jitsu

„Um kämpfen zu können, brauchen wir nicht nur starke Arme und einen schnellen Geist; wir brauchen den Glauben.” (Japanische Weisheit)

Jiu-Jitsu ist eines der vielseitigsten Selbstverteidigungssysteme, welches sich immer wieder in der Praxis (z.B. bei der Polizeiarbeit) bewährt. Durch ein gesundes Verhältnis von Stand- und Bodentechniken wird man auf fast alle Situationen der Selbstverteidigung vorbereitet. Ziel ist es durch Bewegungsübernahmen die gegnerische Energie für sich selbst zu nutzen oder den Gegner mit Würge-, Hebel- und Wurftechniken zu kontrollieren bzw. im Notfall mit Schlag- und Tritttechniken kampfunfähig zu machen. Außerdem wird der Umgang mit und die Verteidigung gegen verschiedenste Waffen (Stock, Messer, Kette, Alltagsgegenstände) trainiert.

Für das Erlernen dieser Kampfkunst sind keine besonderen sportlichen Voraussetzungen erforderlich. Der Einstieg ist in jeder Altersklasse möglich.

Unter dem Motto "Miteinander und voneinander lernen" wird eine enge Zusammenarbeit mit anderen Kampfsportvereinen gepflegt und so eine relativ offene Stilrichtung des Jiu-Jitsu praktiziert. Die Jiu-Jitsuka der Abteilung Budokai des SSV Torgau sind dem Dachverband, der World Ju Jitsu Federation Deutschland e. V. angeschlossen, welcher regelmäßig Lehrgänge ausrichtet.


Vom Sinn des Budotrainings

Jeder Schüler hat sich sicherlich bevor er mit dem Training einer Kampfkunst begonnen hat, seine eigenen Gedanken darüber gemacht, was ihm persönlich dieses Studium bringt und welchen Nutzen er davon hat. Manch einer dachte diesen Gedanken eventuell nicht zu Ende.

Zunächst sollte man sich darüber bewusst sein, dass das Studium einer Kampfkunst ein Lebensweg ist, welcher nie endet. Dabei kommt es in erster Linie nicht darauf an, irgendwelche Formen (Techniken) zu erlernen und damit zu glänzen, sondern seinen Geist und seine vitale Kraft zu entwickeln.

Um diesem Ziel näher zu kommen, braucht es natürlich Zeit und Regelmäßigkeit. Diese beiden Faktoren sind also unabdingbar in die persönliche Lebensplanung einzubinden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch die Eigenmotivation, den inneren „Schweinehund“ zu überwinden und zu trainieren, auch wenn mal die Lust fehlt.
Natürlich gibt es im Leben auch Situationen, wie Krankheiten, Arbeitszeiten, Prüfungszeiten und andere wichtige Termine, die Priorität haben und welche deshalb dem Schüler die notwendige Zeit zum Training nehmen. Nicht nachzuvollziehen sind aber längere Abwesenheiten aus „Unlust“ oder weil andere „wichtige Dinge“ nicht zu einer anderen Zeit erledigt werden können. An dieser Stelle sollte jeder überlegen, ob das Budotraining wirklich ein inneres Bedürfnis ist oder ob man sich zu den Trainingszeiten lieber mit anderen Dingen beschäftigt.

In den Kampfkünsten werden viele Übungen mit einem Partner trainiert und der Trainingsfortschritt ist durch unterschiedliche Gürtelfarben erkennbar. Darum sollte sich der Budoka darüber bewusst sein, dass längere Fehlzeiten den Schüler selbst nicht voranbringen und auch dem Trainingspartner die Möglichkeit der Weiterentwicklung genommen wird. Budosport ist ein sozialer Sport. Dazu gehören nicht nur das regelmäßige Training, sondern auch die Teilnahme an Lehrgängen und die Mitarbeit bei vereinsinternen Maßnahmen.

Deshalb sollte sich jeder Gedanken darüber machen, ob ein zweimaliges wöchentliches Training in die persönliche Lebensplanung passt. Ist dies nicht der Fall, sollte man so ehrlich zu sich selbst und zum Übungsleiter sein und sich dies eingestehen. Die Beschäftigung mit einer weniger zeitintensiven Freizeittätigkeit wäre dann eine alternative Variante.

In allen Lebensbereichen erreicht man nur durch Regelmäßigkeit, Planmäßigkeit und Systematik sowie der geistigen Auseinandersetzung mit einer Sache einen Fortschritt.

Auch für den Übungsleiter ist keine ordentliche Traningsplanung möglich, wenn nur wenige Teilnehmer zum Training erscheinen oder andere Teilnehmer nach längerer Fehlzeit praktisch wieder von vorn anfangen.

Die meisten Kampfsporttrainer werden, im Vergleich zu anderen Sportarten, sehr schlecht für ihre Leistungen vergütet und „opfern“ ihre Freizeit um anderen etwas zu lernen. Deshalb erwarten sie von einem Schüler, dass er zumindest die Disziplin hat und regelmäßig zum Training kommt, lernbereit ist und versucht besser zu werden.

Deshalb sollte jeder für sich über folgende Regeln des Budo (Dojokun) nachdenken und im Anschluss zu einem eigenen Ergebnis kommen:

  1. Suche nach der Perfektion deines Charakters
    Diese Regel bezieht sich auf das ausgewogene innere Verhältnis des Menschen zu sich selbst. Sie macht deutlich, dass die Übung des Budo nicht nur das Körperliche meint, sondern dass der Übende sich in jeder alltäglichen Situation selbstkritisch betrachten soll, um festzustellen, wo die inneren Probleme liegen, die der Perfektion seines Selbst im Wege stehen.
  2. Verteidige die Wege der Wahrheit
    Diese Regel bezieht sich auf die Haltung des Menschen gegenüber dem Leben und der Bereitschaft, das richtige Verhältnis zwischen Selbst und Gegenüber zu erkennen. Sie macht darauf aufmerksam, dass auf dem Weg zu einem Ziel eine harmonische Beziehung zwischen dem Selbst und den existierenden Umständen nötig ist, da kein Ziel im selbständigen wollen, sondern nur im rechten Verhältnis zu den Gegebenheiten erreicht werden kann.
    Das Gleichgewicht zwischen Anspruch und Bereitschaft ist die Grundlage des Budogeistes, durch den der Übende eine starke Persönlichkeit entwickeln und in einem gerechten Austausch zu äußeren Werten stehen kann.
  3. Pflege den Geist des Strebens
    Diese Regel bezieht sich auf die Verwirklichung des Menschen in seinen persönlichen Lebenszielen. Sie hängt eng mit dem ersten und zweiten Leitsatz zusammen, da jedes angestrebte Ziel einer reifen Grundhaltung bedarf, um abwegige und uneinschätzbare Wirkungen u vermeiden. Streben ist gebunden an Sinn, an Maß und Erkenntnis. Die Philosophie des Budo lehrt, dass Streben ohne Verantwortung auf die eine oder andere Weise immer dem Leben entgegensteht.
  4. Ehre die Prinzipen der Etikette
    Diese Regel bezieht sich auf die richtigen Formen der Verhaltensetikette, die ein Mensch beachten muss, wenn er von anderen verstanden und angenommen werden will. Menschen mit einer schlechten Verhaltensetikette werden selbst im wohlgemeinten missverstanden, denn sie widerlegen ihre Absichten und Aussagen durch unangemessenes Verhalten. Die rechte Etikette macht einen Menschen glaubwürdig, offen und unkompliziert. Sie bewirkt eine verständliche Kommunikation mit anderen und hilft, die Harmonie in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu erhalten
  5. Verzichte auf Gewalt:
    Diese Regel bezieht sich sowohl auf die innere Haltung, die menschliches Zusammenleben ermöglicht, als auch auf die Formung eines menschenwürdigen Charakters. Bei den Tieren sind die Verhaltensmuster zur Erhaltung ihrer Art in ihren natürlichen Anlagen vorhanden und werden von der Natur gelenkt. Der Mensch kann sie im Zuge seiner Verselbständigung durch egoistische Interessen ersetzen und braucht daher eine durch Erkenntnis verinnerlichte Instanz, die auf das Maß seiner Handlungen achtet. Diese Instanz ist dem Menschen nicht gegeben, er muss sie sich erarbeiten. Deshalb mahnt diese Regel zum Verzicht auf körperliche Gewalt und bezeichnet gleichzeitig alle Formen der Gewaltanwendung als menschenunwürdig.
Für alle Übenden, egal welchen Ranges ist es von essentieller Bedeutung, dass sie ihre eigene Haltung in regelmäßigen Kontrollen den Regeln des Budo gegenüberstellen.

Michael Czabok